Es ist kaum zu glauben, aber die Science-Lehrerin hat tatsächlich den Lab Report für das “Fehlende Wachstum” schlecht benotet. Das große Kind auf den allgemeinen Teil 4/8 Punkten bekommen und auf den Datenteil 2/8, weil die Lehrerin die meisten Kapitel schlicht und erfreifend nicht akzeptiert hat.

Hier sind die Bewertungsbögen, fangen wir mit dem B-Teil an, denn selbst dieser ist von der Benotung her eine Frechheit, wenn man sich das mal genauer anschaut, wofür es Punkteabzüge gibt (es gibt zwei verschiedene Rubriks, die aber im Prinzip das gleiche wiedergeben sollten):

MiBi_LabReport_CriterionB_noname MiBi_LabReport_CriterionB_1_noname

Hier gibt es nur 5-6 statt 7-8 Punkte, weil bei “Problem/Question” nicht beschrieben wird, wie kochendes/heißes Wasser Mikroben beeinflusst. Das stimmt, dass es fehlt, aber die Erklärung findet sich unter dem Punkt “Hypothese”, wo sie nämlich lt. der Checkliste der Lehrerin auch verlangt wird (und im Beispiel-Lab-Report kommt Theorie gleich gar nirgends im Allgemeinen Teil vor).

Gleich viel Punkteabzug gibt es für “Explanation: cite or describe how you know” bei der Hypothese, der Lehrerin fehlen also die Zitierungen – die aber eindeutig vorhanden sind, in Form von hochgestellten Zahlen.

Bei “Variables” gibt es gleich noch mehr Punkteabzug, nmlich die Hälfte (nur 3-4 Punkte) mit dem Kommentar “IV is incorrect”, weil die Formatierung falsch ist, es fehlt schlicht und ergreifend ein Aufzählungspunkt.

Bei “Materials & Equipment” gibt es nur 5-6 Punkte, weil das Kind ml statt cm3 verwendet. Und das ist jetzt mal wirklich schräg, denn selbst in der hohen Wissenschaft dürfen ml ergänzend zu den sogenannten SI-Einheiten verwendet werden. Mal ganz abgesehen davon, dass bei einem Freund, bei dem der Kommentar auch dabei steht, noch zwei oder drei zusätzliche Fehler dazu kommen – und diese Fehler insgesamt ebenfalls die Auswirkung 5-6 Punkte haben.

Besonders lustig sind die 5-6 Punkte bei der “Methode”, denn der Kommentar dazu ist “na parafilm used”. Das ist eine Art Klebeband, mit dem man die Plastikbehälter verschließt, mit denen man die Versuche macht. Das hat das große Kind tatsächlich vergessen – und die Lehrerin hat das dann draufgetan. Also stimmt der Kommentar schon einmal sachlich nicht, denn er wurde verwendet, wenn auch von mir. Aber ganz abgesehen davon: Die Methode ist ein “Rezept”, nach dem mach vorgehen soll/möchte, sozusagen der Idealfall des Versuchs. Hier haben die Fehler, die man gemacht hat, gar nichts verloren, die werden erst weiter hinten besprochen.

Man hat also wirklich den Eindruck, die Lehrerin hat mit Krampf gesucht, wie sie seine Punkte reduzieren kann.

Und jetzt zur Kategorie C, die die Auswertung der Daten umfasst. Auch hier gibt es wieder zwei Bewertungsbögen, die im Prinzip das gleiche aussagen sollten, das erste Blatt ist der erste, das zweite und dritte ist der zweite:

MiBi_LabReport_CriterionC  MiBi_LabReport_CriterionC_1aMiBi_LabReport_CriterionC_1b

Hier sind wir recht schnell durch, weil die Lehrerin die Kategorien “Data Table”, “Graphs”, “Describe Results”, “Interpret Data” und “Hypothesis Evaluation” gleich mal kollektiv mit dem Vermerk “na data collected” abgetan hat.

Doch halt – was jetzt? No data collected oder Null-result? Das ist doch ein Unterschied, oder?

Wie auch immer. Bei der “Method validity” hat sie sich auf dem einen Bogen zu 3-4 und auf dem anderen zu 5-6 hinreißen lassen, wobei ihre Kommentare “Flaws: – other students samples produced microbes at 45°” und “- You could have altered this” [die 45°] nur mehr als absurd zu bezeuichnen sind.

“Improvement & Extensions” wurde dann – welch Wunder – mit 7-8 Punkten beurteilt.

Nun, das war aber noch nicht alles, vielmehr hatte sich die Lehrerin noch etwas Nettes für das große Kind ausgedacht, und so flatterte uns einen Tag vor Schulanfang in den Weihnachtsferien ein Mail ins Haus:

“Dear Mr & Mrs

Please have L come prepared Wednesday to repeat his experiment. As per my conversation with L before the holidays, a lack of results is not acceptable. Therefore, I would like to provide him with an opportunity to redo his experiment.

He will need to come into the lab during lunch this Wednesday to complete the investigation. I will give him an extra week to submit his revised report; therefore the revised report will be due on Wednesday January 28th.

Sincerely,
Ms A”

Und hier wurden wir jetzt richtig hantig. Das große Kind HAT einen ordentlichen Lab Report abgegeben. Das Ergebnis war nicht optimal, aber es hat ausführlich und sehr gut begründet, wieso das Experiment nicht funktioniert hat. Es hat sowohl Daten gesammelt – auch wenn es damit denkbar wenig Aufwand hatte – als auch ein Ergebnis vorzuweisen, auch wenn ein anderes Ergebnis sicher schöner gewesen wäre. Aber es war NICHT SEINE Schuld, dass der Inkubator auf 45° eingestellt war. Das Gerät steht im Labor der Lehrerin, in dem sie 5 Tage in der Woche von 8 Uhr morgens bis mindestens 15 Uhr nachmittags ist, während das Kind sich dort 2 Mal 80 Minuten pro Woche aufhält. Sie hat eine Ausbildung als Biologin, während das Kind das erste Mal in seiner Laufbahn mit dem Thema Mikroorganismen konfrontiert war. Und sie hat – das haben wir mittlerweile überprüft – in allen ausgegebenen Unterlagen – kein einziges Mal erwähnt, dass die Temperatur für das Wachstum von Mikroben wichtig wäre oder dass die Schüler beim Starten Ihres Experimentes darauf achten sollten, dass die richtige Temperatur eingestellt ist.

Also haben wir beschlossen, dass unser Kind das Experiment NICHT wiederholen muss.

Dear Ms A,

we hope that you spent some nice holidays.

With regard to L’s lab report: As there is no lack of results, we would kindly ask you to grade the lap report itself containing the results gained by the preset  45deg breeding temperature. According to the rubric provided by you the lab report is to be graded  and not the experiment itself. Additionally a second, subsequent experiment at  a different, lower breeding temperature would be a completely new task resulting into a new and independent lab report, which will definitely not be just a revision of the present lap report.

Kind regards,
the father

Was geschah? Das Kind wurde am nächsten Tag von der Lehrerin aufgefordert, das Experiment zu machen, musste sagen, dass es das nicht darf und jetzt hängt der Haussegen mit der Schule sehr schief. Wir halten auf dem Laufenden…

Mikroben – das ist das aktuelle Thema im Science-Unterricht unseres großen Kindes. Natürlich war da auch wieder einmal ein Experiment fällig und zu jedem Experiment gehört ein Lab Report. Diesmal war jedoch der Wurm drin.

Bis 21. November sollten die Schüler drei Vorschläge für ihre Experimente an die Lehrerin Ms A schicken – was das große Kind gemacht hat. Er hat diese drei Themen vorgeschlagen:

– Comparing how well different disinfection methods work (my own idea)
– The before/after the rain experiment (that I already presented the plan to you)
– Comparing different surfaces, i.e. iPhone, iPod, Keybord, Piano, Doorhandle, etc.

Am 24. November war das große Kind nicht im Science-Unterricht, weil es erst gegen 11 Uhr mit dem Flugzeug von einem Konzert in Amsterdam landete (mit Lang Lang und ca. 80 anderen Kindern im Concertgebouw – echt cool!), was die Lehrerin aber wusste, weil er ihr das am Freitag davor in einem Mail angekündigt hatte.

Bis Mittwoch hat er dann nichts mehr vom Experiment gehört, also hat er nachgefragt:

Dear Ms. A, Probably you told the class on Monday, when I wasn’t there, who had gotten which topic for the lab report. I saw today (on managebac) that I have to present my lab proposal before Friday. Could you please mail me my topic as soon as possible. Thank you, L

Am nächsten Tag antwortete sie ihm, er solle am nächsten Tag in ihre Sprechstunde – während seiner Mittagspause – kommen und sie würde das mit ihm besprechen. Das tat er (welch Überraschung) tatsächlich und sie teilte ihm mit, er sollte die “Controlled Variables” für zwei der drei Experimente bis Montag vorbereiten.

Na gut. Das tat er so mehr schlecht als recht und weil die kümmernde Mutter meinte, das wäre eine gute Idee und würde die Lehrerin in eine Richtung motivieren, präsentierte er ihr auch gleich den Anfang des Lab Reports für den von ihm bevorzugten Versuch – Vergleich von mikrbiotischem Wachstum auf schmutzigen Münzen nach Behandlung mit Coca Cola und Desinfektionsmittel. Die Strategie schien erfolgreich zu sein, denn die Lehrerin teilte ihm mit, er solle mit dem Experiment am Mittwoch beginnen.

Am Mittwoch (3. Dezember) kam das große Kind ohne Münzen in den Unterricht und die Lehrerin erklärte ihm außerdem, dass das Experiment keinen Sinn machen würde. L begann zu diskutieren, wie denn neue Dinge jeweils entdeckt werden sollten, und die Lehrerin schickte ihm zu IHREM Vorgesetzten, zum Departments-Leiter, um das mit ihm zu diskutieren. Dieser verpasste L wohl eine Art Einlauf, teilte ihm mit, er würde es gar nicht mögen, dass L zu ihm kommen würde, um ihn quasi gegen die Lehrerin auszuspielen, um etwas von ihm zu erfragen, was die Lehrerin schon abgelehnt hätte. Er beschloss, dass das große Kind sein Experiment ändern müsse in: Wachstum auf schmutzigen Münzen nach der Behandlung mit destilliertem Wasser und Desinfektionsmittel. An diesem Tag begannen die ersten Schüler aus Ls Klasse mit ihren Experimenten, hatten also am Ende eine Woche mehr Zeit für ihre Arbeit und den LabReport im Vergleich zu L.

Am nächsten Montag (Science war immer am Montag und Mittwoch), mittlerweile war der 8. Dezember, wollte das große Kind mit dem Experiment beginnen, doch Ms. A teilte ihm mit, dass inzwischen schon jemand anderer das gleiche Experiment machen würde und er seine Methode erneut ändern müsse, diesmal in: Wachstum auf Münzen ohne Behandlung und nach Behandlung mit kochendem Wasser. Er solle seine Methode vorbereiten und sein Experiment am nächsten Tag während der Mittagspause machen. So geschah es auch, die nächste Anweisung war, dass er die Platten am Freitag (12. Dezember) zu Mittag checken solle.

Das tat er nicht. Er hatte Besseres zu tun (mit seinen Freunden herumhängen). Also transportierte die sich kümmernde Mutter das große Kind kurzerhand am späteren Nachmittag nach der Klavierstunde zur Schule zurück, um die Platten zu überprüfen – und es wurde festgestellt, dass NICHTS gewachsen war. Großes Rätselraten den ganzen Abend über und als einzige Lösung kam eigentlich nur in Frage, dass die Temperatur zu hoch sein müsste.

Da das große Kind am nächsten Tag (ja, am Samstag) ohnehin einen Orchester-Probentermin in der Schule hatte, wurden die Platten und die Temperatur erneut überprüft. Noch immer kein Wachstum – aber die Temperatur war auf 45° Celsius eingestellt, also viel zu hoch (bei einer so hohen Temperatur wachsen “normale” Mikroorganismen nicht mehr – deswegen bekommen wir ja auch Fieber, wenn wir von einem Pathogen befallen werden)! Und die anderen Agarplatten im Inkubator hatten sich wegen der Dehydration teilweise schon fast vollständig von den Plastikschalen gelöst, die Temperatur war also eindeutig schon länger so hoch.

Am Montag teilte das große Kind der Lehrerin das Ergebnis mit und sie warnte ihn: Dass er ein Null-Ergebnis hätte würde dazu führen, dass er eine schlechtere Note bekommen würde. Das warnte nicht nur ihn, sondern auch die sich kümmernde Mutter und den dazugehörenden Vater. Das Kind musste also einen Lab Report abliefern, der mit allen Mittelchen gewaschen war, der durch alle Instanzen ging, der mit allen Checklisten geprüft wurde. Und so war es dann auch. Der Lab Report kann sich sehen lassen, der ist wasserdicht – und überhaupt für die 8. Klasse. Ist wer anderer Meinung?

Microbes LAB REPORT

Das sind übrigens die Vorgaben, nach denen gearbeitet werden soll/muss:

Lab_report_checklist_and_outline                  Lab_report_example_

Und das sind die Bewertungsbögen:

Criterion_B_and_C_friendly_rubrics

Im November bekamen wir ein Mail vom Herrn Lehrer, den wir schon mal erwähnt haben. Das Kind, jetzt offiziell 13 und damit wohl in der schlimmsten Phase der Pubertät, hat sich wieder daneben benommen. Die Punkte, die der Herr Lehrer ankreidete, waren:

  • Misshandlung (“mistreating”) von Schuleigentum (Tesafilm)
  • offenes respektloses Verhalten gegenüber dem Lehrer
  • offenes respektloses Verhalten gegenüber des Eigentums des Lehrers.

Der Lehrer wollte”detention”, also Nachsitzen, und ein Gespräch mit der Direktorin als Konsequenzen. Für das Kind, nicht für sich. Wobei das sicher auch mal sinnvoll wäre.

Ich habe nachgefragt, worüber wir denn jetzt tatsächlich sprechen – was war denn das respektlose Verhalten im Detail?

  • anhaltendes Quatschen während des Unterrichts
  • nicht sachgemäßes Verwenden geborgten Tesafilms im Klassenraum (Schuleigentum)
  • Wiederholtes schnelles Durchblättern durch den Materialordner des Lehrers ohne Erlaubnis und nachdem er ermahnt wurde, das zu lassen
  • den Klassenraum nicht rechtzeitig (“timely”) zu verlassen, als er aufgefordert wurde zu gehen [Anmerkung zu diesem Punkt: es handelte sich um die letzte Stunde, die um 14.55 endet, der Schulbus fährt um 15:03 und das Kind muss seine Sachen zusammenpacken und dann schnell vom obersten Stockwerk der Schule zu seinem Bus – so wahnsinnig lange kann er nicht im Klassenraum geblieben sein, da er an diesem Tag den Bus erwischt hat]

Es tut mir leid (nein, eigentlich nicht), aber ich konnte die Empörung des Lehrers nur bedingt nachvollziehen. Tesa kann man wegnehmen, den Ordner auch, den dritten Punkt halte ich sowieso für an den Haaren herbeigezogen und der erste ist sicher nervig, aber im Lehrer-Schüler-Leben wohl ziemlich normal. Ich gebe zu, dass ich dem Lehrer geantwortet habe:

Wir können ehrlich verstehen, dass es sich dabei um nerviges Verhalten handelt, aber unserer Meinung nach sind dies Probleme, mit denen ein ausgebildeter Lehrer umgehen können sollte.

Seitdem ist es ruhig. Wir bekommen keine E-Mails mehr vom Herrn Lehrer.

Aber halt! Da gibt es ja noch unser Schulintranet, das der Herr Lehrer für sich entdeckt hat. Und jetzt bekommen wir die Beschwerden auf diesem Weg. Hier die Chronik des Schreckens:

  • 24. November, Benotung einer Gruppenpräsentation, ein Satz darunter:
    Die Mitarbeit im Team war ebenso geprägt von einigen Albernheiten, die dich immer wieder von der eigentlichen Arbeit ablenken.
  • 3. Dezember:
    Disturbing behaviour again but less disturbing than usually
  • 16. Dezember:
    wirft mit Brezeln in der Klasse> aber auch wieder viel Gequatsche in der Stunde> wo bleibt das Unterrichtsmaterial? Wieder bleiben wichtige Arbeitsblaetter in der Klasse zurueck…

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten Herr Lehrer. Mögen Sie nie echte Problemkinder zu bewältigen haben. Wir wissen, unser Kind kann anstrengend sein – komischerweise sind Sie aber der einzige Lehrer in der Schule, der echte Verhaltensprobleme mit ihm hat.

Lieber Lehrer,

ich war wirklich kein braves Kind in der Schule, das weiß ich noch. Ich kann mich noch an ein paar Dinge erinnern, über die sich meine Lehrer sicher nicht besonders gefreut haben und eine Abmahnung (ode einen Verweis?) aus der 11. Klasse habe ich noch in meiner Erinnerungsmappe: “… war im Unterricht frech und hat gestört…” Aber die meisten Dinge blieben dann doch zwischen uns – also zwischen mir und den Lehrern. Die Eltern wurden nur informiert, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Heute ist das irgendwie anders.

Wenn ich darüber nachdenke, worüber ich in den vergangenen 1,5 Jahren (Ende 6., 7. und Anfang 8. Klasse) von Ihnen und Ihren Kollegen schon informiert wurde, dann frage ich mich echt, wann Sie noch Zeit finden, sich auf Ihren Unterricht vorzubereiten. Irgendwie müssen Sie ja nur damit beschäftigt sein, Mails an Eltern zu schreiben. Hier ein paar Highlights:

  • Das Kind hat (in Kunst) zu klein gezeichnet und nicht das ganze Blatt verwendet, obwohl ich es mehrfach dazu aufgefordert habe
  • Das Kind hat im Unterricht gegessen und zurückgequatscht, als ich es darauf angesprochen habe, statt sich zu entschuldigen
  • Das Kind hat sich eine Rolle Klebeband auf den Kopf gelegt und gesagt, es könne sich so besser konzentrieren. Als ich ihm gesagt habe, es soll das lassen, hat es nicht aufgehört damit und andere haben begonnen, das nachzumachen – er war ein schlechter Einfluss auf die anderen.
  • Das Kind hat im Unterricht respektlos über eine andere Lehrerin gesprochen (der Rest der Klasse hat dann eingestimmt und die Situation ist außer Kontrolle geraten).
  • Das Kind lief mir in der Cafeterie hinterher – nicht zufällig, sondern absichtlich.

Lieber Lehrer, mir ist klar, dass das alles Dinge sind, die nerven und die definitiv nicht okay sind. Aber müssen deswegen wirklich die Eltern eingreifen? Ist die pädagogische Ausbildung heutzutage wirklich so unkreativ, dass Lehrer von heute keine Idee mehr haben, wie sie mit solchen Störungen umgehen sollen? Wir sprechen hier ja nicht von einem Kind, das in allen Fächern laufend auffällt, das diagnostiziert “verhaltenskreativ” wäre und andere verprügeln, alternativ bedrohen würde oder ständig beim Direktor landen würde, sondern von einem Kind, das gemeinhin als gut erzogen gilt, das aber gelegentlich seine Grenzen austestet.

Wir Eltern haben Sie, lieber Lehrer, beim Elternsprechtag schon des öfteren gebeten, Konsequenzen zu setzen und haben auch Vorschläge gemacht. Wir haben zum Beispiel kein Problem mit Extraarbeit für unser Kind – wenn es noch freie Kapazitäten hat, um so viel Blödsinn zu machen, kann es auch was Sinnvolles damit anstellen. Und falls es (umgekehrt) mit seiner Arbeit aufgrund der Blödeleien in der Schule nicht fertig wird, muss es notfalls auch mal länger bei Ihnen bleiben, seine Freizeit opfern und eben den späteren Bus nach Hause nehmen.

Aber was sollen denn wir Eltern erreichen? Denken Sie wirklich, es bringt mehr, wenn wir dem Kind zum tausendsten Mal sagen, es muss sich in der Schule benehmen und Lehrern gegenüber rücksichtsvoll verhalten? Oder würde es vielleicht doch mehr Wirkung zeigen, der Klasse ein Diktat zu verpassen, wenn sie keine Lust zeigt, sich zu benehmen, oder mein Kind zu bitten, doch mal bis zur nächsten Stunde einen Text über Respekt gegenüber Lehrern zu schreiben?

Lieber Lehrer, zeigen Sie doch etwas mehr Rückgrat und übernehmen Sie etwas mehr Verantwortung. Es genügt nicht, den Eltern in einem E-Mail zu schreiben:

Schlieβlich haben Lehrer auch, aus gutem Grund, den Auftrag der Erziehung und Förderung von Sozialkompetenz.

Es wäre wirklich an der Zeit, dass Sie zeigen, dass Sie selber auch über eine solche verfügen. Beweisen Sie uns, dass Sie das können, was Sie in Ihrem Mail an mich behaupten:

Wir Pädagogen können mit dergleichem Verhalten sicher noch am ehesten umgehen.

Denn bisher haben Sie das nicht gerade unter Beweis gestellt. In diesem Sinne: Auf ein spannendes Schuljahr.

Ihre verbesserlich

Oje, heute habe ich in einem Artikel gelesen:

Der Psychiater Jay Giedd vom National Institute of Mental Health bei Washington sagte dem Focus: „Der Teil des Gehirns, der plant, vorausschauend handelt, abwägt und die Impulse kontrolliert, tritt seine Managementfunktion im Gehirn deutlich später an, als bisher angenommen.“

Bisher ging man wohl davon aus, dass um den 18. Geburtstag herum das Gehirn erwachsen ist, heute weiß man, dass noch länger spontan gehandelt und sehr emotional reagiert wird sowie die Konsequenzen von Aktionen oft nicht abgesehen werden. Einziger Hoffnungsschimmer: Giedd zufolge sei es

„entscheidend, ob ein Jugendlicher Sport treibt, ein Instrument spielt, sich mit akademische Aufgaben beschäftigt oder völlig untätig ist, nur passiv zu Hause herumsitzt“.

Der Grund: Viel benutzte Nervenverbindungen bleiben bekanntlich bestehen, während andere absterben.

Nachdem mein Großer richtig viel Musik macht und sich gut mit der Schule beschäftigt, viel liest und seine Hobbies viel mit dem Kopf zu tun haben – vielleicht besteht ja doch Hoffnung, dass wir da nicht erst mit 25 oder 30 raus kommen. Wobei – eigentlich kann es mir ja egal sein. Mit 18 zieht er aus, geht an die Uni. Irgendwo, far, far away. So ist zumindest der Plan.