Mikroben – das ist das aktuelle Thema im Science-Unterricht unseres großen Kindes. Natürlich war da auch wieder einmal ein Experiment fällig und zu jedem Experiment gehört ein Lab Report. Diesmal war jedoch der Wurm drin.

Bis 21. November sollten die Schüler drei Vorschläge für ihre Experimente an die Lehrerin Ms A schicken – was das große Kind gemacht hat. Er hat diese drei Themen vorgeschlagen:

– Comparing how well different disinfection methods work (my own idea)
– The before/after the rain experiment (that I already presented the plan to you)
– Comparing different surfaces, i.e. iPhone, iPod, Keybord, Piano, Doorhandle, etc.

Am 24. November war das große Kind nicht im Science-Unterricht, weil es erst gegen 11 Uhr mit dem Flugzeug von einem Konzert in Amsterdam landete (mit Lang Lang und ca. 80 anderen Kindern im Concertgebouw – echt cool!), was die Lehrerin aber wusste, weil er ihr das am Freitag davor in einem Mail angekündigt hatte.

Bis Mittwoch hat er dann nichts mehr vom Experiment gehört, also hat er nachgefragt:

Dear Ms. A, Probably you told the class on Monday, when I wasn’t there, who had gotten which topic for the lab report. I saw today (on managebac) that I have to present my lab proposal before Friday. Could you please mail me my topic as soon as possible. Thank you, L

Am nächsten Tag antwortete sie ihm, er solle am nächsten Tag in ihre Sprechstunde – während seiner Mittagspause – kommen und sie würde das mit ihm besprechen. Das tat er (welch Überraschung) tatsächlich und sie teilte ihm mit, er sollte die “Controlled Variables” für zwei der drei Experimente bis Montag vorbereiten.

Na gut. Das tat er so mehr schlecht als recht und weil die kümmernde Mutter meinte, das wäre eine gute Idee und würde die Lehrerin in eine Richtung motivieren, präsentierte er ihr auch gleich den Anfang des Lab Reports für den von ihm bevorzugten Versuch – Vergleich von mikrbiotischem Wachstum auf schmutzigen Münzen nach Behandlung mit Coca Cola und Desinfektionsmittel. Die Strategie schien erfolgreich zu sein, denn die Lehrerin teilte ihm mit, er solle mit dem Experiment am Mittwoch beginnen.

Am Mittwoch (3. Dezember) kam das große Kind ohne Münzen in den Unterricht und die Lehrerin erklärte ihm außerdem, dass das Experiment keinen Sinn machen würde. L begann zu diskutieren, wie denn neue Dinge jeweils entdeckt werden sollten, und die Lehrerin schickte ihm zu IHREM Vorgesetzten, zum Departments-Leiter, um das mit ihm zu diskutieren. Dieser verpasste L wohl eine Art Einlauf, teilte ihm mit, er würde es gar nicht mögen, dass L zu ihm kommen würde, um ihn quasi gegen die Lehrerin auszuspielen, um etwas von ihm zu erfragen, was die Lehrerin schon abgelehnt hätte. Er beschloss, dass das große Kind sein Experiment ändern müsse in: Wachstum auf schmutzigen Münzen nach der Behandlung mit destilliertem Wasser und Desinfektionsmittel. An diesem Tag begannen die ersten Schüler aus Ls Klasse mit ihren Experimenten, hatten also am Ende eine Woche mehr Zeit für ihre Arbeit und den LabReport im Vergleich zu L.

Am nächsten Montag (Science war immer am Montag und Mittwoch), mittlerweile war der 8. Dezember, wollte das große Kind mit dem Experiment beginnen, doch Ms. A teilte ihm mit, dass inzwischen schon jemand anderer das gleiche Experiment machen würde und er seine Methode erneut ändern müsse, diesmal in: Wachstum auf Münzen ohne Behandlung und nach Behandlung mit kochendem Wasser. Er solle seine Methode vorbereiten und sein Experiment am nächsten Tag während der Mittagspause machen. So geschah es auch, die nächste Anweisung war, dass er die Platten am Freitag (12. Dezember) zu Mittag checken solle.

Das tat er nicht. Er hatte Besseres zu tun (mit seinen Freunden herumhängen). Also transportierte die sich kümmernde Mutter das große Kind kurzerhand am späteren Nachmittag nach der Klavierstunde zur Schule zurück, um die Platten zu überprüfen – und es wurde festgestellt, dass NICHTS gewachsen war. Großes Rätselraten den ganzen Abend über und als einzige Lösung kam eigentlich nur in Frage, dass die Temperatur zu hoch sein müsste.

Da das große Kind am nächsten Tag (ja, am Samstag) ohnehin einen Orchester-Probentermin in der Schule hatte, wurden die Platten und die Temperatur erneut überprüft. Noch immer kein Wachstum – aber die Temperatur war auf 45° Celsius eingestellt, also viel zu hoch (bei einer so hohen Temperatur wachsen “normale” Mikroorganismen nicht mehr – deswegen bekommen wir ja auch Fieber, wenn wir von einem Pathogen befallen werden)! Und die anderen Agarplatten im Inkubator hatten sich wegen der Dehydration teilweise schon fast vollständig von den Plastikschalen gelöst, die Temperatur war also eindeutig schon länger so hoch.

Am Montag teilte das große Kind der Lehrerin das Ergebnis mit und sie warnte ihn: Dass er ein Null-Ergebnis hätte würde dazu führen, dass er eine schlechtere Note bekommen würde. Das warnte nicht nur ihn, sondern auch die sich kümmernde Mutter und den dazugehörenden Vater. Das Kind musste also einen Lab Report abliefern, der mit allen Mittelchen gewaschen war, der durch alle Instanzen ging, der mit allen Checklisten geprüft wurde. Und so war es dann auch. Der Lab Report kann sich sehen lassen, der ist wasserdicht – und überhaupt für die 8. Klasse. Ist wer anderer Meinung?

Microbes LAB REPORT

Das sind übrigens die Vorgaben, nach denen gearbeitet werden soll/muss:

Lab_report_checklist_and_outline                  Lab_report_example_

Und das sind die Bewertungsbögen:

Criterion_B_and_C_friendly_rubrics

Im November bekamen wir ein Mail vom Herrn Lehrer, den wir schon mal erwähnt haben. Das Kind, jetzt offiziell 13 und damit wohl in der schlimmsten Phase der Pubertät, hat sich wieder daneben benommen. Die Punkte, die der Herr Lehrer ankreidete, waren:

  • Misshandlung (“mistreating”) von Schuleigentum (Tesafilm)
  • offenes respektloses Verhalten gegenüber dem Lehrer
  • offenes respektloses Verhalten gegenüber des Eigentums des Lehrers.

Der Lehrer wollte”detention”, also Nachsitzen, und ein Gespräch mit der Direktorin als Konsequenzen. Für das Kind, nicht für sich. Wobei das sicher auch mal sinnvoll wäre.

Ich habe nachgefragt, worüber wir denn jetzt tatsächlich sprechen – was war denn das respektlose Verhalten im Detail?

  • anhaltendes Quatschen während des Unterrichts
  • nicht sachgemäßes Verwenden geborgten Tesafilms im Klassenraum (Schuleigentum)
  • Wiederholtes schnelles Durchblättern durch den Materialordner des Lehrers ohne Erlaubnis und nachdem er ermahnt wurde, das zu lassen
  • den Klassenraum nicht rechtzeitig (“timely”) zu verlassen, als er aufgefordert wurde zu gehen [Anmerkung zu diesem Punkt: es handelte sich um die letzte Stunde, die um 14.55 endet, der Schulbus fährt um 15:03 und das Kind muss seine Sachen zusammenpacken und dann schnell vom obersten Stockwerk der Schule zu seinem Bus – so wahnsinnig lange kann er nicht im Klassenraum geblieben sein, da er an diesem Tag den Bus erwischt hat]

Es tut mir leid (nein, eigentlich nicht), aber ich konnte die Empörung des Lehrers nur bedingt nachvollziehen. Tesa kann man wegnehmen, den Ordner auch, den dritten Punkt halte ich sowieso für an den Haaren herbeigezogen und der erste ist sicher nervig, aber im Lehrer-Schüler-Leben wohl ziemlich normal. Ich gebe zu, dass ich dem Lehrer geantwortet habe:

Wir können ehrlich verstehen, dass es sich dabei um nerviges Verhalten handelt, aber unserer Meinung nach sind dies Probleme, mit denen ein ausgebildeter Lehrer umgehen können sollte.

Seitdem ist es ruhig. Wir bekommen keine E-Mails mehr vom Herrn Lehrer.

Aber halt! Da gibt es ja noch unser Schulintranet, das der Herr Lehrer für sich entdeckt hat. Und jetzt bekommen wir die Beschwerden auf diesem Weg. Hier die Chronik des Schreckens:

  • 24. November, Benotung einer Gruppenpräsentation, ein Satz darunter:
    Die Mitarbeit im Team war ebenso geprägt von einigen Albernheiten, die dich immer wieder von der eigentlichen Arbeit ablenken.
  • 3. Dezember:
    Disturbing behaviour again but less disturbing than usually
  • 16. Dezember:
    wirft mit Brezeln in der Klasse> aber auch wieder viel Gequatsche in der Stunde> wo bleibt das Unterrichtsmaterial? Wieder bleiben wichtige Arbeitsblaetter in der Klasse zurueck…

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten Herr Lehrer. Mögen Sie nie echte Problemkinder zu bewältigen haben. Wir wissen, unser Kind kann anstrengend sein – komischerweise sind Sie aber der einzige Lehrer in der Schule, der echte Verhaltensprobleme mit ihm hat.