Die Kleinen turnen ja in dem, was sie gerade an haben, umziehen ist nicht, sind ja zu viele, nein, offiziell wollen sie damit einfach erst im Frühling anfangen. Also traben die Kleinen jeden Montag einmal quer über den Sportplatz in die Sporthalle und – ja, was dann? “Sag mal, turnt ihr eigentlich in den Socken?” – “Nein, die müssen wir ausziehen.” – “Also turnt ihr barfuß?” – “Ja!” – “Ist der Boden nicht kalt?” – “Doch, der Boden ist arschkalt.” Klar, ist ja nichts mehr drunter, unter der Sporthalle – dafür ist es inzwischen November und nicht gerade heiß.

Also ging heute ein knackiger Zweizeiler an die Sportlehrer und die Lehrerin, mit der Bitte, doch künftig darauf zu achten, dass der Kleine beim Turnen immer seine Sportschuhe trägt. Bis jetzt noch keine Reaktion. Kommt aber sicher noch. Wir rechnen entweder mit: “Ist zu gefährlich für die anderen Kinder” oder “Ist unfair gegenüber denen, die keine Sportschuhe mit haben”… Fortsetzung folgt.

Die ganzen 17 bis 20 Stunden intensives und konzentriertes Lernen für den Algebra-Test haben nur 4/8 Punkte und den Kommentar: “You should work on your algebraic skills” gebracht. Echt frustrierend. Damit steht der Große in Mathe auf 4 (aus 7 oder 8, egal) – in allen Fächern dagegen auf 6 oder 7, nur in Sport auf 5-6.

Glücklicherweise ist er aber in Mathe mit netten und verständnisvollen Lehrern gesegnet und deswegen war es eine Sache von wenigen Minuten und zwei E-Mails, ihn die Gruppe wechseln zu lassen. Ab der nächsten Mathestunde ist er nicht mehr in der “Extended Math Class”, sondern in “Math Higher Level”, bei dem Lehrer, bei dem er voriges Jahr mit 7/7 abgeschlossen hat, ebenfalls in der HL Gruppe. Alles wird gut 🙂

Eine “nette” Geschichte haben mir meine beiden erzählt: Wenn der Kleine dienstags mit seiner Klasse (bzw. einem Teil seiner Klasse, sind ja so viele, dass sie in zwei Gruppen hingehen) in der Bibliothek ist, hat der Große gerade Mittagspause, die er gerne ebenfalls in der Bibliothek verbringt (denn dort sind Computer zur freien Benützung ;-). Als eines Dienstags der Kleine weinen musste, weil er vergessen hatte, sich das gleiche Buch noch einmal auszuborgen, eilte der Große in geschwisterlicher Fürsorge zu seinem kleinen Bruder, um ihn zu trösten – wurde aber sofort von den anwesenden Betreuern wieder weggeschickt. Kommentar: Wir kümmern uns da schon drum. Ergebnis: Nicht nur ein, sondern zwei frustrierte Kinder.

Ehrlich jetzt – eigentlich war es an unserer Schule immer so, dass Geschwister etwas waren, die immer und überall gerne gesehen waren. Wenn ein Bruder oder eine Schwester eine Aufführung oder so hat, bekommen die anderen frei, die Lehrer freuen sich über kurze Besuche, kennen die Geschwister etc. Was war das also bitte?

Der Große berichtete dann noch, dass sie (die Älteren) sowieso systematisch komplett von der Early Education ferngehalten werden, während der Schulzeit werden sie gar nicht hingelassen.

Hey ho! Bis Weihnachten sollen es nicht mehr 25 Kinder in der EE5-Klasse sein.

Nein!

Es sollen 30 (!) Kinder sein!

Und man glaubt es kaum, aber der Direktor meinte höchstpersönlich zu mir: Wenn das stimmt, wird es natürlich eine zweite Lehrperson geben.

Man erinnere sich daran: Unsere Schule macht Werbung damit, dass wir nicht mehr als 18 Kinder pro Klasse haben!

Heute findet der “Welcome Back Evening” der Primary School (PS) statt. Eingeladen wurde per Mail von der Direktorin der PS und über den Newsletter. Gleichzeitig waren noch ein paar andere Termine in der Schule geplant – Trip Week Info Sessions der Secondary School und China Exchange Meeting. Offensichtlich scheint es nur einen Wochentag zu geben, an dem man sich mit Eltern treffen kann. Nun, als ich jedenfalls in der PS anmerkte, dass wir es terminlich evtl. nicht zum “Welcome Back Evening” schaffen würden, wurde mir mitgeteilt, wir wären eh nicht eingeladen – als Early Education Eltern… War früher immer zusammen, diesmal nicht. Naja. Time changes. Aber nett, dass man uns das auch mal sagt.

Ungeschickter geht es kaum mehr: Nachdem es schon mal 25 Kinder in der Klasse sind, die von einer Lehrerin geleitet wird, die ahnungslos ist, in einem Raum, der zu klein ist – eigentlich sollte ja heute in das neue Gebäude gesiedelt werden, aber davon ist heute keine Rede mehr -, geht heute eine der beiden Assistentinnen in Rente. Unfassbar. Noch mehr Unruhe. Angeblich ist ihre Nachfolgerin schon seit Tagen in der Klasse. Wer das ist? Keine Ahnung, sie wurde nicht vorgestellt.

Unser Kleiner, der eigentlich immer sehr gut mit Namen war – im Kindergarten kannte er nach kürzester Zeit nicht nur alle Kinder beim Namen, sondern auch deren Geschwister, die in der Früh mitkamen -, hat keine Ahnung, wie seine Klassenkollegen oder seine LehrerInnen heißen.

Kein Wunder, sind ja auch 24 plus 3 plus die Specialist Teacher (Deutsch, Englisch, Sport, Musik) plus die 14 Kinder der EE3-4 und deren Lehrerin und deren Assistentin. Denn da die Lehrerinnen und Assistentinnen mit dem Umzug in das neue Gebäude beschäftigt sind, werden die Kinder beider Gruppen oft zusammengelegt und dann minimalistisch beaufsichtigt.

Kurz gesagt: Er hat den Überblick verloren.

Nur er?

Der Kleine ist sehr stolz, er ist ab sofort an der Schule des Großen.

Wir Eltern sind mäßig begeistert, denn alles ist anders als versprochen: Das neue Gebäude ist noch nicht fertig, sodass die Klasse noch in einem Behelfsraum untergebracht ist, und vor allem: Es sind 25 Kinder in der Klasse, obwohl die Schule eine Policy hat, dass in der Primary School nicht mehr als 18 pro Klasse sind. Der Raum ist knallvoll. Zum Drüberstreuen ist die Lehrerin erst seit drei Wochen im Land, sie hat vorher in London unterrichtet, hat keine Ahnung davon, wie unsere Schule funktioniert, und muss quasi selbst von der Lehrerin der 3- bis 4-Jährigen und von ihren eigenen zwei Assistentinnen “an der Hand genommen” werden. Mal abgesehen davon, dass sie sicher mehr mit sich selbst als mit ihren 25 Zöglingen beschäftigt sein wird – das ist nicht böse gemeint, aber wer schon mal einen Umzug in ein anderes Land mitgemacht hat, weiß, dass es einfach eine Zeit dauert, bis man “angekommen” ist und den Kopf für was Anderes als das Sich-Zurechtfinden frei hat.

Die Lehrerin der Kleineren (EE3-4) ist überhaupt sehr dominant und hat gleich das Ruder übernommen. Bei dem Elterninfo-Morgen (der nur den neuen Eltern angekündigt wurde, denn die waren schon am Tag vor Schulbeginn zum Orientation-Afternoon eingeladen, die “alten” Eltern wurden damit am ersten Schultag überrascht, dass um 8.30 eine Infoveranstaltung stattfindet) hat sie das Wort übernommen.

Seit Herbst schreibt das große Kind in der Jungendredaktion einer Bundesländer-Tageszeitung. Momentan erscheinen die Texte fast nur online, aber das tut seiner Begeisterung keinen Abbruch, denn er darf mehrmals in der Woche Wettervorhersagen schreiben und hat sogar seine eigene “Wetterfrosch”-URL. Er ist – zu Recht – superstolz und mit Eifer dabei. Lange wurden nun aber die Online-Berichte nicht honoriert und die kümmernde Mutter sah etwas besorgt auf den Einsatz den Juniors, der doch viel Zeit investierte, aber wenig zurück bekam. Nun wurde vom “Chefchef” aber vor ein paar Wochen angekündigt, dass es endlich soweit wäre, die vergangenen Monate würden bezahlt werden – und endlich flatterte die entsprechende Abrechnung ins Haus. Stolz darf sie also jetzt verkünden, endlich zwei Großverdiener im Hause zu haben 🙂

Die Schule will uns sprechen. Die Sciencelehrerin hat ihre Chefin, die Direktorin der Middle School eingeschaltet und die hat jetzt ihre Sekretärin (sie hat nicht einmal selber angerufen!) damit beauftragt, mich (oder uns) zu einem Gespräch in  die Schule zu zitieren. Die arme Sekretärin hatte tatsächlich den Auftrag, uns nicht ohne Termin auflegen zu lassen, hat sie uns gestanden. Mit dabei ist außerdem der Schuldirektor, also der Chef der Middle-School-Direktorin. Und es muss ihnen sehr wichtig sein, denn andere Termine wurden wohl abgesagt, damit wir am nächsten Dienstag in der Früh was zu hören bekommen können.

Jetzt heißt es am Wochenende, die Unterlagen für unsere geplante Aktion wegen Science fertig zu machen.