Die neuen Nachmittags-AGs der Schule sind auszuwählen und das große Kind möchte es wieder einmal mit Segeln versuchen. Hat es schon einmal, vor vielen Jahren, und im Sommer genießt es gerne das Segelboot eines Großonkels (und stellt sich dabei ziemlich geschickt an).

Die kümmernde Mutter jedenfalls ist damit einverstanden, sieht eine wichtige Lücke im Lebenslauf geschlossen – Sport fehlt irgendwie noch weitestgehend – und hat das Kind gleich festgenagelt: Mach das nächste Jahr weiter und sag dem Betreuer, dass du nächstes Jahr ins Racing Team kommen möchtest (damit hätten wir die Themen Leadership, Teamwork, Competition auch gleich mit drin, wie praktisch).

Und damit das Kind auch wirklich mit dabei bleibt, darf es für dieses Semester auch gleich selber 1/3 der Kosten selber tragen… Armes Kind.

Seit Herbst schreibt das große Kind in der Jungendredaktion einer Bundesländer-Tageszeitung. Momentan erscheinen die Texte fast nur online, aber das tut seiner Begeisterung keinen Abbruch, denn er darf mehrmals in der Woche Wettervorhersagen schreiben und hat sogar seine eigene “Wetterfrosch”-URL. Er ist – zu Recht – superstolz und mit Eifer dabei. Lange wurden nun aber die Online-Berichte nicht honoriert und die kümmernde Mutter sah etwas besorgt auf den Einsatz den Juniors, der doch viel Zeit investierte, aber wenig zurück bekam. Nun wurde vom “Chefchef” aber vor ein paar Wochen angekündigt, dass es endlich soweit wäre, die vergangenen Monate würden bezahlt werden – und endlich flatterte die entsprechende Abrechnung ins Haus. Stolz darf sie also jetzt verkünden, endlich zwei Großverdiener im Hause zu haben 🙂

Nein, das gilt an unserer Schule nicht.

Ein paar Beispiele, vielleicht fallen mir demnächst noch mehr ein, dann gibt es Fortsetzungen ;-):

  • Lehrer dürfen lügen (und müssen sich nicht dafür entschuldigen), Schüler natürlich nicht und Eltern sicher auch nicht (haben wir aber noch nicht ausprobiert 😉 )
    Wir Eltern wurden von einer Lehrerin ganz klar angelogen – sie hat schriftlich etwas behauptet, was nicht gestimmt hat (sie hätte keinem Schüler die Arbeit zurückgegeben, sondern allen Schülern nur die Bewertungsbögen – blöderweise hat uns ein Freund am Abend die kommentierte Arbeit in die Hand gedrückt). Wir haben die Schule mehrmals aufgefordert, dass wir eine Entschuldigung wünschen – was vehement abgelehnt wurde.
  • Die Direktoren dürfen respektlos mit Eltern umgehen (und müssen sich nicht dafür entschuldigen), Schüler dürfen aber nicht respektlos mit anderen sein (und Eltern vermutlich auch nicht)
    Die Direktorin unseres Sohnes hat unseren ausdrücklichen Elternwunsch, ein ganz bestimmtes Gespräch mit unserem – minderjährigen – Sohn NICHT zu führen ignoriert. Das haben wir gut begründet. Und nicht nur das – sie hat noch dazu das Versprechen gesprochen, zuerst mit ihm alleine zu sprechen und erst danach mit ihm und der betreffenden Lehrerin, mit der es einen Konflikt gab und um die es ging. Unser Sohn wusste, dass wir diesen Wunsch (Gesprächsverbot) der Schule gegenüber geäußert hatten. Damit hat die Direktorin gleich mehrere problematische Dinge angehäuft:
    1. Sie hat ihren Schüler in einen groben Loyalitätskonflikt gebracht, wem er gehorchen soll: Ihr oder den Eltern?
    2. Sie hat rechtlich falsch gehandelt, denn wir Eltern sind sorgeberechtigt, nicht sie, und wenn wir entscheiden, dass sie nicht mit ihm sprechen darf, hat sie das zu respektieren, auch wenn es ihr nicht gefällt (wir haben NICHT jedes beliebige Gespräch verboten, sondern nur dieses spezielle, also nicht ihre pädagogische Arbeit vom Elternwunsch abhängig gemacht, und das Gespräch war auch nicht unbedingt zu diesem Zeipunkt notwendig, da das zugehörige Ereignis zwei Monate vorher war – es war also definitiv keine Gefahr in Verzug).
    3. Sie hat uns Eltern respektlos behandelt, weil sie unseren Wunsch übergangen hat, um ihre Macht zu demonstrieren.
    Die Schule sieht darüber hinweg und sieht auch hier keinen Grund für eine Entschuldigung. Man macht sich vielmehr Sorge um die Redefreiheit und die pädagogische Arbeit.
  • Lehrer müssen sich nicht an Regeln halten, Schüler schon.
    Als unser Sohn seinem Deutsch-Lehrer am Montag eine Hausaufgabe nachreichen wollte, die schon am Freitag davor fällig gewesen wäre, lehnte der Lehrer es ab, diese anzunehmen, weil zu spät. Die, die am Montag (also am richtigen Tag) fällig war, nahm er dann gleich auch nicht an. Vermutlich aus Solidarität zur Freitag-Aufgabe, keine Ahnung.
    Der gleiche Lehrer hat nun seit mittlerweile SECHS!!!! Wochen die Klassenarbeiten nicht zurück gegeben, obwohl es in unserer Schule an sich eine Frist von 14 Tagen gilt (ohnehin großzügig, in meinen Schulen in den 1980er Jahren galt 1 Woche – aber bei mehr als 30 SchülerInnen, nicht nur 14!) .

3 Wochen Praktikum bei einem deutschlandweiten Radiosender – jippieh!
Leider nur 2 Stunden am Tag, weil das Kind erst 13 Jahre alt ist. Aber zum Reinschnuppern ist das schon ein Anfang – und für den Lebenslauf und die Uni-Bewerbung ist es auf jeden Fall spitze.

Und die Sommerferien sind gerettet und damit auch voll:
Zuerst Orchesterreise nach London mit anschließendem Familienurlaub in der britischen Hauptstadt.
Nachts Rückflug, am nächsten Tag um 9 Uhr Radio-Praktikumsbeginn, bis 11 Uhr.
Drei Wochen lang, dann direkt Abflug zum Strandurlaub nach Griechenland.
Nach 1 Woche wieder retour und am nächsten Tag ins Auto, Abfahrt in die alte Heimat, wo wir inklusive Rückfahrt ca. 10 Tage Zeit haben.
Dann noch 1 Woche Ferien und dann Start in die Highschool oder wie immer die 9. Klasse dann heißen mag.

“Wissen Sie eigentlich, welchen Druck Sie auf mich ausüben?” – Diesen Satz hat gestern mein großer Sohn, 13 1/2, seiner Direktorin entgegen geschleudert. Mitten im Unterricht, mitten in der Klasse. Er war gerade zum wiederholten Male in den Raum hinein gegangen, nachdem er ihn schon mehrmals völlig entnervt verlassen hatte, um eine Runde auf dem Campus zu drehen und Dampf abzulassen, da er die Abläufe der Stunde einfach nicht ertragen hatte: Die Direktorin war anwesend, weil eine Lösung gesucht wurde. Eine Lösung, wie der Deutschlehrer und seine Klasse wenigstens in den letzten Wochen des Schuljahres einigermaßen miteinander klar kommen könnten. Dem waren viele Wochen des Kampfes – sozusagen eines Klassenkampfes – vorangegangen, an dem mein Sohn nicht unbeteiligt war. Er ist ein Gerechtigkeitsfanatiker und außerdem ein Kind, das sofort merkt, wenn ihm jemand unterlegen ist – hier setzt dann der Gerechtigkeitssinn allerdings gerne aus. In den vorigen Wochen ist die Situation – wieder einmal eskaliert, der Lehrer hat unter anderem meinen Sohn angeschrien und persönlich angegriffen, er hat die Schüler zornig aufgefordert: “Wenn es euch nicht passt, könnt ihr ja die Direktorin holen” – was diese dann auch gemacht haben – und einige Schüler haben wohl bald mehr Zeit vor als im Klassenraum verbracht. Die Situation ist, um es mal freundlich zu formulieren, also ein wenig angespannt.

Also nahm sich die Direktorin der Sache an und forderte die Schüler auf, aufzuschreiben, was sie selber, die Klasse und der Lehrer zur Verbesserung der Situation beitragen könnten. Jeder durfte seine Punkte vorlesen – aufgeteilt auf zwei Stunden mit 1,5 Wochen Abstand -, dann wurde abgestimmt und die Top Vier wurden zu den Zielen. Der Vorschlag meines Sohnes: “Der Lehrer soll uns nicht persönlich angreifen/beleidigen” bekam leider nur vier Stimmen und hat damit nicht auf die ToDo-Liste des Lehrers geschafft. Die Absurdität, dass über so ein Anliegen überhaupt abgestimmt wird, ist der Direktorin nicht aufgefallen. In die Top-4-Liste geschafft hat es aber die Aufgabe, dass der Lehrer künftig die Hausaufgaben in das Schulintranet eintragen muss – aber nur, wenn die Schüler ihre Aufgaben erfüllen. Dazu ist anzumerken, dass das ordentliche Nutzen des Schulintranets (inklusive Eintragen der Assessments) eigentlich zu den Pflichten jedes Lehrers an unserer Schule gehört. Nun muss der Lehrer eine Aufgabe erfüllen, wenn die Schüler gemeinsam vier und jeder zusätzlich noch seine vier persönlichen Ziele erfüllt. Ein fairer Deal, oder?

Mein Sohn sah das anders, stürmte (wieder einmal) aus der Klasse, lief um den Schulcampus, kam zurück, und schleuderte der Direktorin entgegen: “Und wenn wir schon so nicht problem-, sondern lösungsorientiert reden, dann möchte ich jetzt sofort meinen Lab Report, meine Presentation und meinen Science Test benotet zurück haben.” (Punkte, die offen sind und in die die Direktorin involviert ist). Die Direktorin versuchte es mit dem obligatorischen: “Das gehört jetzt aber nicht hierher…”, und dann folgte der obige Satz meines Sohnes: “WISSEN SIE EIGENTLICH, WAS FÜR EINEN DRUCK SIE AUF MICH AUSÜBEN?”

Ergebnis der ganzen Angelegenheit: Am Freitag muss er zum persönlichen Gespräch zu ihr. Statt zur Deutschstunde. Sozusagen Pech oder Cholera. Man darf sich aussuchen, was Pech und was Cholera ist…

Heute wieder einmal im Uni-Meeting der Elternvereinigung unserer Schule bestätigt bekommen: Amerikanische und britische Unis erwarten, dass ihre Bewerber spätestens ab der 9. Klassen in den Sommerferien etwas “Sinnvolles” machen. Das können Sommerkurse sein, Praktika, Ferialjobs, Soziale Engagements – was auch immer, die Hauptsache ist, die Schüler werden aus ihrer “akademischen Bequemlichkeit” gerissen und zeigen, dass sie nicht den ganzen Sommer daddlend vor dem Computer verbringen.

Wieder ein Grund, wieso es (heutzutage) einfach zu spät ist, sich erst in der 11. oder 12. Klasse mit der Wahl der Uni zu berschäftigen.

Außerdem wurden Checklisten für das “Uni-Shopping” 😉 verteilt. Also für die Uni-Besichtigungstour in den USA oder UK. Da besucht man ja meistens in sehr kurzer Zeit sehr viele Universitäten, üblicherweise nach der 9. oder 10. Klasse, während man sich erst zu Beginn der 12. Klasse bewirbt – und damit man dann noch eine Ahnung hat, was einem an der jeweiligen Uni gut oder weniger gut gefallen hat, kann man eben solche Listen nutzen. Nicht dass es dem eigenen Kind so geht wie der Tochter einer Bekannten einer Mutter, die gestern auf dem Meeting war: Die wurde an ihrer Wunschuni angenommen – und hatte dann, als sie das Studium begonnen hat, festgestellt, dass sie in der Erinnerung die Unis verwechselt hatte und ihre eigentliche Wunschuni 15 Kilometer weiter entfernt lag. Eine bittere Erkenntnis.

Heute war Elternsprechtag in unserer Schule. Die Problemlehrer haben wir gleich einmal ausgelassen, die machen keinen Spaß (kleiner Scherz), aber bei der Kunstlehrerin, die unseren Sohn seit Mitte oder Ende Januar unterricht (davor hatte er Musik, das wechselt derzeit halbjährlich), haben wir uns vorgestellt. Ich muss gestehen, selten bin ich mit so einem langen Gesicht von einem Eltern-Lehrer-Gespräch aufgestanden.

Das aktuelle Thema war: “Was kann ich aus den Textilien, die eine Kultur produziert, über diese Kultur lernen?” Dazu mussten erst einmal Muster aus dem Internet gesucht und ausgedruckt werden (das waren zu wenige und sie waren nicht repräsentativ genug). Die Zeichnung, die er gemacht hat, wird sie vermutlich mit 3 aus 8 Punkten benoten, weil sie nicht fertig genug und nicht akkurat genug ist (er sagt, er ist kein guter Zeichner. Mein Eindruck ist, er war sehr verkrampft, die Zeichnung ist bemüht, aber kindlich). Der Druck bekommt wahrscheinlich 5-6 aus 8 Punkten, weil er beim Drucken der zweiten Farbe etwas verrutscht ist und überhaupt besser sein könnte. Und das Essay – naja, das bekommt auch 3 aus 8, denn die Aufgabe war, 5 Muster und 5 Farben mit Bezug auf die Literatur und Quellen zu besprechen und er hat nur das Edelweiß (das er als Muster selber verwendet hat) und eine Farbe besprochen und damit die Aufgabe nicht erfüllt.

Ehrlich – danach habe ich meinem Sohn empfohlen, selbst dann Musik zu wählen, wenn er nicht vom Unterricht befreit wird. So kann man einem Kind echt jede Freude an Kunst nehmen.

Der Herr Lehrer, der meinen Sohn so mag, schreibt uns ja bekanntlich nicht mehr per E-Mail, wie sich unser Kind im Unterricht daneben benimmt, sondern hofft jetzt, dass wir seine diesbezüglichen Nachrichten im Intranet zur Kenntnis nehmen. Und da kann er auch durchaus unter Beweis stellen, dass sein Germanistikstudium nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist (wenn man mal von Orthographie und Grammatik absieht – aber in der Hektik des Gefechts und im Taumel der Emotionen kann es auch dem besten Deutschlehrer passieren, dass er seine beste Ausbildung vergisst…):

  • 31. Januar:
    Akjtivitaeten: L. singt im Unterricht, albert rum, macht andere nach, diskutiert mit dem Lehrer, ruft andere Mitschueler waehrend des Unterrichts an; steht ploetzlich auf, geht zur Tuer und schmeisst sie zu Arbeitsresultat: ?
  • 10. Februar:
    Aktivitaeten im Unterricht: Obwohl L. bereits vor Unterrichtsbeginn gebeten wurde, seine ueber den Laptop laufende Musik leiser zu stellen, kam es schon wenig spaeter wieder zu Problemen. Zuerst stellt er die Musik leiser, dann beginntd er Unterricht, er soll sie ausstellen, macht es aber nicht. Wieder Diskussionen. Er sagt, er kann sie nicht ausstellen, willl aber auch den Laptop nicht herausgeben. Schliesslich nehme ich ihm den Laptop kurzerhand weg. Schon wenig spaeter, inzwischen war Mr B. [Direktor der High School] in der Stunde, wird er wegen weiterer Unruhe gebeten, seinen Sitzplatz zu wechseln. Was macht L.? Er braucht ca. 10 Minuten, um vom einem zum naechsten Sitzplatz zu gelangen, dabei immer wieder auf- und abgehend und einzelne Gegenstaende holend, die ganze Zeit sichtlich daran amuesiert, den Unterricht aufzuhalten und laecherlich zu machen.
  • 28. Februar:
    Was throwing with food in the classroom, then, after being told off, was going to students to give them food. Then later, reading out loud a text from the internet to disturb further about “marshmallow use in the classroom” etc.

Mein Achtklässler muss sich nächstes Jahr entscheiden. Gleich drei Mal. Er muss sich entscheiden, ob er Musik oder Kunst wählt, ob er Spanisch oder Schauspiel nimmt und ob er sich für Mandarin oder IT/Werken entscheidet.

Ziemlich klar war von Anfang an, dass er Mandarin nehmen wird. Werken liegt ihm nicht, das mag er nicht besonders, und Sprachen fallen ihm leicht. Ob er jetzt die nötige Sorgfalt aufbringt, um die chinesischen Schriftzeichen ordentlich zu malen, werden wir noch sehen, aber vielleicht bringt das ja was 😉 Die Entscheidung zwischen Musik und Kunst ist etwas komplizierter, weil da noch ein Antrag mit hineinspielt, den wir an der Schule gestellt haben – nämlich, dass er vom Musikunterricht befreit wird, damit er sich in den entstandenen freien Stunden besser auf sein umfangreiches musikalisches externes musikalisches Prüfungs- und Wettbewerbsprogramm 2017 vorbereiten kann. Wenn der bewilligt wird, entscheidet er sich jedenfalls für Musik, sonst ist es noch offen. Interessant fand ich das dritte Thema. Da er bereits Mandarin wählt, war ich davon überzeugt, er würde Spanisch, das er jetzt das dritte Jahr in der Schule lernt, abwählen, und lieber noch zwei Jahre Drama machen. Nein – mein Achtklässler hat mir mit fester Stimme erklärt: “Natürlich Spanisch! Das bringt mir doch mehr für die Uni-Bewerbung!”

Die Schule will uns sprechen. Die Sciencelehrerin hat ihre Chefin, die Direktorin der Middle School eingeschaltet und die hat jetzt ihre Sekretärin (sie hat nicht einmal selber angerufen!) damit beauftragt, mich (oder uns) zu einem Gespräch in  die Schule zu zitieren. Die arme Sekretärin hatte tatsächlich den Auftrag, uns nicht ohne Termin auflegen zu lassen, hat sie uns gestanden. Mit dabei ist außerdem der Schuldirektor, also der Chef der Middle-School-Direktorin. Und es muss ihnen sehr wichtig sein, denn andere Termine wurden wohl abgesagt, damit wir am nächsten Dienstag in der Früh was zu hören bekommen können.

Jetzt heißt es am Wochenende, die Unterlagen für unsere geplante Aktion wegen Science fertig zu machen.